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28./29.06.2010
„Grenzgänge in Helmstedt/Magdeburg – Überwundene Grenzen werden erfahrbar“Erinnerung und Zukunft gehören zusammen. Nachdem die sichtbare Mauer der Teilung Deutschlands überwunden worden ist, geht es nun darum, die im Geist zum Teil noch vorhandenen Grenzen weiter abzubauen. Die Erinnerung an die Vergangenheit und ihre Aufarbeitung leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.
Die Deutsche Gesellschaft e.V. hat diesen Gedanken aufgegriffen und interessierte Bürgerinnen und Bürger im Auftrag des Bundesinnenministeriums zu einer zweitägigen Veranstaltung „Grenzgänge – Kommunale Erfahrungen mit Teilung und Einheit“ am 28. und 29. Juni nach Helmstedt und Magdeburg eingeladen.
Am Mittag des 28. Juni 2010 begaben sich die Teilnehmer mit dem Bus auf Spurensuche. Das Zonengrenz-Museum Helmstedt, das Grenzdenkmal Hötensleben und die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn bildeten Stationen der Erinnerungsfahrt an die deutsche Teilung. Sie führte entlang des „Grünen Bandes“, das den einstigen „Todesstreifen“ grenzenlos erfahr- und erlebbar machte.
Ein Bürgerdialog im Rathaus der Stadt Helmstedt rundete den ersten Veranstaltungstag ab. Hier diskutierten der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Dr. Christoph Bergner, und Vertreter der Nachbarregion Helmstedt/Magdeburg darüber, wie sie die deutsche Einheit erlebt haben. Die Region habe durch die Teilung gelitten, das Zusammenwachsen sei insgesamt gelungen, aber auch noch auszubauen. Die Landesgrenze bleibe natürlich weiterhin bestehen. Sie kann jedoch mit gemeinsamen Projekten positiv gestaltet werden. Bergner betonte: „Das Wichtigste ist, dass die Landesgrenze zu einer ganz normalen Landesgrenze wird.“
Das Kommunalforum, „20 Jahre Mauerfall – 20 Jahre Grenztourismus“, zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages in der Gedenkstätte Marienborn, wurde mit dem Kurzfilm eines ehemaligen Grenzsoldates eingeleitet, der verdeutlichte, dass die Grenze nicht nur in der Landschaft, sondern auch in der Psyche der Menschen Spuren hinterlassen hat. Die Diskutanten des Forums gingen im Anschluss auf die Geschichte der Region vor und nach der Teilung ein. Vor allem der Tourismus biete noch unausgeschöpftes gemeinsames Potenzial für die Region, so der Tenor.
Am Ende der Veranstaltung fand ein Wirtschaftsforum zur Fragestellung „Vom (Braun-) Kohlerevier zur grünen Energie?!“ in der IHK Magdeburg statt. Die „grüne Energie“ biete zwar langfristig eine Alternative für den Braunkohleabbau, durch den die Region stark geprägt wurde. Mittelfristig werde der Druck auf die Stromgewinnung mit dem Schwinden der Braunkohleressourcen allerdings deutlich steigen, so der Vertreter der E.ON Kraftwerke Peter Mutzbauer. Thomas Pleye, Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit in Sachsen-Anhalt, stellte die intensiven Wirtschaftbeziehungen zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen heraus und würdigte die Wiedervereinigung wirtschaftlich als „gigantischen Umstrukturierungsprozess“. Neben bereits Erreichtem wurde auf noch zu Erreichendes verwiesen. Der Mauerfall wird bis heute als Glücksfall wahrgenommen. Der Prozess des Zusammenwachsens von Ost und West gilt hingegen auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit als nicht abgeschlossen. Die Grenzgänge bieten eine Möglichkeit, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten.





