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12./13. August 2010
"Innenminister diskutiert im Eichsfeld"
Die Eichsfelder sind sich einig: „Uns war immer klar, dass wir zusammen gehören.“ Das Eichsfeld, durch das 40 Jahre die deutsch-deutsche Grenze verlief, war und ist eine Region mit einer starken Identität und großem Zusammenhalt.
Im 20. Jubiläumsjahr der deutschen Einheit lud die Deutsche Gesellschaft e.V. im Namen des Beauftragten für die Neuen Länder Dr. de Maizière, Bundesminister des Innern, am 12. und 13. August 2010 zum kommunalen Erfahrungsaustausch nach Bad Sooden-Allendorf, Duderstadt und Heilbad Heiligenstadt ein. Die zweitägige Veranstaltung „Grenzgänge – Kommunale Erfahrung mit Teilung und Einheit“ startete mit einer Spurensuche entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze am Grenzmuseum Schifflersgrund in Bad Sooden-Allendorf. Auf dem Gelände des Museums wurde die Teilung des Eichsfeldes besonders sichtbar: Der ehemalige Grenzzaun, die Selbstschussanlagen und die Wachtürme sind erhalten geblieben; sie zeugen von einer zerrissenen Region und den unmenschlichen Methoden des DDR-Regimes. Nach der Museumsbesichtigung gab es für die Teilnehmer die Möglichkeit, mit einem Exkursionsbus entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze zu fahren. Besichtigt wurde das „Grüne Band“: Auf dem ehemaligen Todesstreifen entsteht heute ein außergewöhnliches Naturschutzgroßprojekt. Sachkundig führte Maria Schaaf, Mitarbeiterin der Heinz Sielmann Stiftung, die Spurensucher auf der ehemaligen Todeslinie entlang und verwies auf seltene Pflanzen- und Tierarten, wie den Luchs und die Wildkatze.
Am Abend traf der Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière, auf dem Bürgerdialog mit regionalen Vertretern aus Politik, Kirche und Wirtschaft im historischen Rathaus von Duderstadt zusammen. Über 200 Gäste, darunter auch viele Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums, debattierten zu dem Thema „Unsere deutsche Einheit. Gestaltung der Einheit auf der Basis kommunaler Erfahrungen“. Über „erstaunte Ungläubigkeit“ berichtete der Minister anlässlich der Grenzöffnung am 09. November 1989. Die Emotionen von damals, aber auch Fragen zur Gegenwart und Zukunft des Eichsfeldes wurden erörtert. „Die Kirche hat die Teilung des Eichsfeldes nie akzeptiert“, so Propst Heinz-Josef Durstewitz. Die starke Identität der Eichsfelder Bürgerinnen und Bürger und der grenzüberschreitende Zusammenhalt in der Bevölkerung machten es möglich, dass sich das Eichsfeld auch heute noch als zusammengewachsene Region präsentiert. Strukturelle Unterschiede zwischen Ost und West seien dennoch vorhanden und eine finanzielle Förderung des Bundes nach Bedarf und nicht nach neuen und alten Bundesländern wurde verlangt. Besonders für die junge Generation müssen berufliche Perspektiven geschaffen werden, forderte der Bürgermeister von Duderstadt und Hausherr Wolfgang Nolte. Das Eichsfeld müsse sich als Land in der Mitte Deutschlands wieder ins Bewusstsein rufen.
Am darauf folgenden Tag wurde auf dem Kommunal- und Wirtschaftsforum „Vom Todesstreifen zum Grünen Band – Entwicklung und Perspektiven einer ehemaligen Grenzregion“ in Heilbad Heiligenstadt debattiert. „Wie viel ökonomisches Potenzial besitzt unsere Natur?“ Diese Frage stellten sich der Gastgeber und Bürgermeister Bernd Beck sowie die Diskutanten unter der Moderation des Chefredakteurs der Thüringer Allgemeine, Paul-Josef Raue. „Das Leben der Menschen war begrenzt, für die Natur bedeutete es aber eine nahezu unbegrenzte Entfaltung“, wie Raue die Paradoxie des Todesstreifens beschrieb. Minister a. D. Gerold Wucherpfennig, Mitglied des Thüringer Landtages und Vorsitzender des Heimat- und Naturverbandes Eichsfeld, und Professor Ulrich Harteisen, Experte für Regionalmanagement von der HAWK Göttingen, unterstrichen das hohe Tourismuspotenzial der Region. Dass das Eichsfeld nicht nur ein gemeinsamer Kultur- und Naturraum ist, sondern auch ein Industrieraum mit viel Potenzial, betonte Udo Rockmann von der IHK Erfurt. Am Ende der Veranstaltung waren sich alle Beteiligten einig, dass die zukünftige Herausforderung für das Eichsfeld in einer nachhaltigen Vernetzung von Politik, Tourismus und Natur liegt. Die ehemalige Grenzregion kann nur bestehen, wenn über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus kooperiert wird.
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