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14.08.2009
„Der Grenzgang hat sich gelohnt“
Zeitzeugen aus dem Vogtland sind sich einig: Der starke regionale Zusammenhalt über Länder- und ehemalige Staatsgrenzen hinweg bildet ein tragfähiges Fundament für die Zukunft der BürgerInnen der ehemaligen Grenzregion.
Im Namen des Bundesministers Wolfgang Tiefensee, Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Länder, lud die Deutsche Gesellschaft e.V. zum kommunalen Erfahrungsaustausch in Hof und Plauen ein. Auftakt der zweitägigen Veranstaltung „Kommunale Grenzgänge – Erfahrungen mit Teilung und Einheit“ am 12. und 13. August war eine gemeinsame Busrundfahrt nach Mödlareuth, einer Gemeinde, durch deren Mitte dereinst die Mauer verlief. Sie riss die Bewohner im Herzen ihrer Stadt auseinander, weshalb George Bush damals auch Mödlareuth als „little Berlin“ bezeichnete. Nach einem kurzen Film, der die bewegende und die bewegte Vergangenheit der Stadt im Kontext der gesamtdeutschen Geschichte erzählt, konnten sich die TeilnehmerInnen direkt vor Ort ein Bild von der ehemaligen innerdeutschen Grenze machen. Ein letztes Stück Mauer und Grenzanlage sind als historisches Zeugnis erhalten geblieben und erinnern an das traurige Kapitel der Teilung in der Stadt- aber auch in der Weltgeschichte. Die Busrundfahrt führte weiter durch die Region, vorbei an markanten Punkten der innerdeutschen Teilung – stets ein Grenzgang entlang des einstigen Eisernen Vorhangs.
Auf dem Wirtschaftsforum im Plauener Vogtlandkonservatorium diskutierten am Abend der Landrat des Vogtlandkreises, Dr. Tassilo Lenk, und Vertreter des Handwerks und des Handels ihre Erfahrungen mit der Teilung und der deutschen Wiedervereinigung in dieser über Jahrhunderte gewachsenen Region. Wie kann am besten die Zukunft der Vogtslandes gestaltet werden, wie die Herausforderung optimal umgesetzt werden? Die Diskutanten blicken optimistisch in die Zukunft, nicht zuletzt aufgrund ihres stärkenden Regionalbewusstseins, das den Vogtländer BürgerInnen Rückhalt bietet.
Auf dem Kommunalen Forum am Morgen des 13. Augusts setzten der Oberbürgermeister der Stadt Plauen, Ralf Oberdorfer, und der Bürgermeister der Stadt Hof, Eberhard Siller, sowie der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Hof im Jahre 1989, Dieter Döhla, den Dialog mit Zeitzeugen und Vertretern der Zivilgesellschaft fort. Wie erlebten die Städte Hof und Plauen die Zeit der Teilung, aber auch die letzten 20 Jahre des Zusammenwachsens? Welche Herausforderungen sehen sie für die Zukunft? Auch hier bestätigte sich die regionale Verbundenheit als tragfähiges Fundament, auf dem für die Zukunft gebaut werden kann. Das gemeinsame intensive Erleben der Friedlichen Revolution 1989 stärkt dieses einende Band der Region.
Anschließend eröffnete Bundesminister Tiefensee eine Ausstellung im Vogtlandkonservatorium Plauen mit Projekten aus einem gemeinsamen Schülerwettbewerb der Städte Hof und Plauen. Der Bundesminister, der als Zeitzeuge die Friedliche Revolution besonders intensiv erlebt hat, wies eindringlich auf die Bedeutung städtepartnerschaftlicher Verbindungen und der persönlichen Beziehungen zwischen Ost und West für die Vollendung der deutschen Einheit hin. Mit Verweis auf Willi Brandts Ausspruch zur Wiedervereinigung, „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“ betonte er den prozessualen Charakter der deutschen Wiedervereinigung. Hier wächst wieder ein Volk zusammen, das zusammen gehört – und das kann nur gemeinsam vollbracht werden. Dafür bedarf es einiger Zeit und Geduld. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, zu der der Schülerwettbewerb eingeladen hat, ist die Basis, denn, so Tiefensee, nur „gemeinsames Erinnern schafft Zukunft“. Im Anschluss an die Eröffnung lud Bundesminister Tiefensee zu einem gemeinsamen Stadtspaziergang auf den Spuren der Friedlichen Revolution in Plauen ein.
Zum Abschluss der Veranstaltung fand eine Podiumsdiskussion im Rathaus Hof vor BürgerInnen aus Hof und Plauen statt. Bundesminister Tiefensee diskutierte mit Kommunalpolitikern und Zeitzeugen den Stand des Aufbaus Ost und formulierte Vorschläge für die Zukunft. Eindringlich wies er darauf hin, dass die Politik nur den Raum für die deutsche Einheit schaffen kann. Sie erfolgreich umzusetzen und mit Leben zu füllen, bleibt Aufgabe der BürgerInnen. Die Kommunen und ehemaligen Grenzregionen sind daher besonders gefragt und eingeladen, die deutsche Einheit zu vollenden. So waren sich am Ende der Veranstaltung alle Beteiligten einig, dass bereits eine gute Strecke seit 1989/90 zurückgelegt wurde, aber noch ein Stück Weg hin zur vollendeten Wiedervereinigung vor den Deutschen liegt, der nur gemeinsam bewältigt werden kann. „Kommunale Grenzgänge“ helfen dabei.
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